Vom Ganztagsangebot zum Schulprofil

Aktualisiert: Juli 7

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Adolph-Diesterweg-Gymnasium Plauen, © Charlotte Will

von Charlotte Will


In wenigen Wochen, zu Beginn des Schuljahres 2021/2022, startet ein neu entwickeltes Konzept am Adolph-Diesterweg-Gymnasium. Hinter dem Namen „Sportzentrum Plauen“ verbirgt sich ein langersehntes und mit viel Liebe zum Sport entworfenes Projekt, welches das Ziel einer speziellen Leistungsförderung für Vereinssportler*innen verfolgt. Auch die Neuanmeldezahlen der Schule sollen dadurch wieder steigen.


PERSÖNLICHE VERBUNDENHEIT

Egal, ob man es sich zum Zeitpunkt des Schulaustrittes vorstellen kann oder nicht, man wird seiner ehemaligen Schule immer auf eine gewisse Art- und Weise verbunden bleiben. Auch in meinem Fall hielt die Verbindung zu dem Gymnasium, an welchem ich im Jahr 2017 mein Abitur abgelegt habe, durch eine Mitgliedschaft in dessen „Freundeskreis“ sowie privater Bekanntschaften mit Lehrer*innen und Schüler*innen der Schule kontinuierlich an. In diesem Zusammenhang konnte ich die Weiterentwicklung und Veränderung meines früheren Gymnasiums laufend mitverfolgen. Es ist beeindruckend, was sich innerhalb so kurzer Zeit an Strukturen und Möglichkeiten in einer Bildungseinrichtung wandeln kann und wie durch frischen Wind, der von einzelnen Lehrpersonen mitgebracht wird, attraktive und neue Angebote geschaffen werden können. In diesem Beitrag möchte ich ein, sich noch in den Kinderschuhen befindliches Projekt des Adolph-Diesterweg-Gymnasiums (im Folgenden Diesterweg-Gymnasium) vorstellen, welches große Ziele verfolgt und als Hoffnungsträger der Schule nicht nur das GTA-Angebot erweitern soll, sondern noch eine weitere wichtige Funktion für die Schule erfüllt.


DAS DIESTERWEG-GYMNASIUM PLAUEN

Homepage des Diesterweg Gymnasiums Plauen

Die Schule bietet Lernenden auf ihrem Weg zum Abitur verschiedene Vertiefungsmöglichkeiten und ermöglicht ihnen, sich individuell zu entfalten. Ein besonderes Attribut der Schule stellte bislang ihre künstlerisch-musikalische Ausrichtung dar, welche durch musikvertiefende Bläserklassen oder den Kunst- Leistungskurs in der Oberstufe, deutlich wird. Doch dies sollte nicht das einzige „Aushängeschild“ der Schule bleiben.

Über eine lange Periode hinweg war das Gymnasium vierzügig und musste aufgrund der hohen Schüler*innenzahlen streckenweise sogar auf eine Außenstelle zurückgreifen. Diese Zeiten sind jedoch aufgrund eines deutlichen Geburtenrückganges nach der Wiedervereinigung längst vorbei, sodass seit einigen Jahren sogar ein sukzessiver Rückgang der Anmeldezahlen für die fünften Klassen zu verzeichnen war. In der Folge konnten nur noch drei Klassenzüge gebildet werden. Dass dieser Negativtrend nicht fortgesetzt werden darf, wurde der Schulleitung durch dieses direkte Feedback übermittelt.

Diesbezüglich ist der, seit der Gründung bestehende, Wettbewerb mit einem anderen Gymnasium der Stadt zu erwähnen. Die anhaltende Konkurrenz fordert die Schulen immer wieder gegenseitig dazu heraus, sich wie Unternehmen in einem Wirtschaftssystem gegenüber dem anderen Mitstreiter zu profilieren und hervorzuheben. Aus diesem Grund gibt es stets Anreiz für innovative Projekte sowie Platz für neue Ideen.


EXKURS: DIE ÖKONOMISIERUNG DES BILDUNGSSYSTEMS

Bildung mit einem wirtschaftlichen Gut gleichzusetzen ist eine äußerst heikle Angelegenheit. Denn Bildung ist ein spezielles Produkt (vgl. Fend 2008). Es lässt sich nicht konsumieren, sondern muss angeeignet werden (vgl. ebd). Dennoch stehen sich im Bildungssystem der Neuzeit immer häufiger zwei Logiken gegenüber: Auf der einen Seite findet man die ursprüngliche pädagogische Rationalität, in der Vermittlungsprozesse vom Menschen ausgehend im Mittelpunkt stehen. Diese ist jedoch schwer messbar und lässt sich nur mühsam beschreiben. Demgegenüber steht die betriebswirtschaftliche Rationalität, welche seit den 2000er Jahren die Bildungslandschaft prägt. Im Gegensatz zur pädagogischen Rationalität, nimmt hier die Marktorientierung eine zentrale Rolle ein. Dadurch wird es möglich, mehr Transparenz in der Bildungsarbeit herzustellen sowie profitable, ökonomisch quantifizierbare Maßstäbe zu setzen. Konkret heißt das: Schulen befinden sich in einem andauernden Wettbewerb untereinander und sehen sich ständig im Zugzwang, mit neuen, besonderen Profilen zu werben. Lässt sich hier eine Verschiebung des Mittelpunktes feststellen? Und wenn dies der Fall ist – welche Folgen hat das für unser Bildungssystem? Kritiker*innen sprechen von einer Verwirtschaftlichung des Schulsystems, durch welche sie eine Verdrängung pädagogischer Leitideen und Reduktionismus befürchten. Andererseits lassen sich in diesen Entwicklungstendenzen, wie am Beispiel des Diesterweg-Gymnasiums in Plauen ersichtlich wird, auch Potenziale und positive Effekte erkennen. Auf diese Art und Weise wird eine ständige Transformation im pädagogischen Bereich sichergestellt und so die Möglichkeit für Professionalisierung sowie Anreize zur Qualitätsoptimierung geschaffen.


VORGESCHICHTE UND ENTSTEHUNG DES KONZEPTS

Mit einer Intention fern von ökonomischen Gedanken, wurde das Konzept eines Sportzentrums einst von Tommy Färber im Rahmen seines Lehramtstudiums entwickelt. Die Idee dahinter: Sportschulcharakter in eine Stadt bringen, wo dies aufgrund unzureichender Strukturen, eigentlich nicht möglich ist. Nachdem Färber 2019 als junger Lehrer am Diesterweg-Gymnasium in das Berufsleben gestartet ist, haben sich seine Ideen konkretisiert und stießen von Beginn an auf positive Resonanz bei der Schulleitung. Im Anschluss an verschiedene Informationsveranstaltungen, gewann das Projekt zunehmend an Dynamik und erfuhr eine enorme Resonanz.

Auch Steven Fischer, der seit 1999 Sportlehrer am Diesterweg-Gymnasium ist, spielte schon des Längeren mit einer ähnlichen Idee. Seine Gedankengänge drehten sich ebenfalls darum, leistungsstarke Sportler*innen im schulischen Rahmen mehr zu fördern. Auch er ist begeistert und gespannt auf das Anlaufen dieses neuen Projekts.


© Charlotte Will

RAHMENBEDINGUNGEN UND AUFBAU DES PROGRAMMS

Aber wie ist das Konzept des Sportzentrums Plauen nun konkret aufgebaut?

Ab dem kommenden Schuljahr 2021/2022 werden leistungsorientierte Sportler*innen bei ihrer Anmeldung für die fünfte Klasse die Möglichkeit haben, sich für das sogenannte „Spezi-Programm“ zu bewerben. Dafür benötigen sie entweder ein Empfehlungsschreiben, welches ihre sportliche Tauglichkeit belegt oder einen Nachweis über die Mitgliedschaft in einen der 16 Partnervereine des Projekts. Angeboten wird eine Vertiefung in den Sportarten Fußball, Handball, Wassersport und Leichtathletik. Sollte die Anmeldungszahl für das Programm über den zur Verfügung stehenden Plätzen liegen, wird ein schulinterner Eignungstest durchgeführt.


VERZAHNUNG VON GANZTAG UND UNTERRICHT