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Das Modellprojekt „Ganztagspiloten“ erfolgreich abgeschlossen


Die Modellstandorte wurden anerkennend aus dem Programm verabschiedet
Die Modellstandorte wurden anerkennend aus dem Programm verabschiedet

Dresden, 24.06.2026


VIER JAHRE GEMEINSAME ENTWICKLUNG FÜR EINEN RHYTHMISIERTEN GANZTAG

Wie gelingt es, Schule und Hort so miteinander zu verzahnen, dass Kinder einen zusammenhängenden Bildungstag erleben? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Modellprojekt „Ganztagspiloten“ seit seiner Ausschreibung im Jahr 2022. Nach vier Jahren intensiver Entwicklungsarbeit fand nun die Abschlussveranstaltung statt. Vertreter*innen der Modellstandorte, der Träger, des Landesjugendamtes, des Landesamtes für Schule und Bildung, des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus (SMK) sowie der Evangelischen Hochschule Dresden (ehs Dresden) und Gäste blickten gemeinsam auf die Ergebnisse des Projekts zurück.

Das vom SMK beauftragte und finanzierte Modellprojekt begleitete elf Ganztagsstandorte in Sachsen auf ihrem Weg zu einem rhythmisierten Ganztag. Ziel war es, Schule und Hort stärker miteinander zu verzahnen und den Bildungstag konsequent aus der Perspektive der Kinder zu gestalten. Lernen, Bewegung, Erholung und Freizeit sollten nicht länger als voneinander getrennte Bereiche verstanden werden, sondern als aufeinander abgestimmte Bestandteile eines gemeinsamen Tages.

 

BEEINDRUCKENDE REICHWEITE

Die Bilanz der vergangenen vier Jahre zeigt eindrucksvoll, welche Dynamik das Projekt entfaltet hat:

  • 11 Modellstandorte

  • rund 2.900 erreichte Kinder

  • 160 beteiligte Lehrkräfte

  • 102 pädagogische Fachkräfte aus den Horten

Diese Zahlen machen deutlich, dass die „Ganztagspiloten“ weit mehr waren als ein wissenschaftliches Modellvorhaben. Sie standen für einen langfristigen Schulentwicklungsprozess, der Schulen und Horte in ganz Sachsen miteinander vernetzt und bei der gemeinsamen Weiterentwicklung ihrer Ganztagsangebote begleitet hat.

 

Die Veranstaltung fand im Lichthof des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus statt
Die Veranstaltung fand im Lichthof des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus statt

RHYTHMISIERUNG BEGINNT BEIM KIND

Durch die Veranstaltung führte Manuel Schneider gemeinsam mit dem Chor der DPFA-Regenbogen-Grundschule Zwickau „Carl Friedrich Benz“, der der Abschlussveranstaltung einen würdigen musikalischen Rahmen verlieh.

In seinem Impuls machte Manuel Schneider deutlich, dass dem Projekt ein zirkuläres Zeitverständnis zugrunde liegt. Kinder erleben ihren Alltag nicht als Aneinanderreihung einzelner Unterrichts-, Hort- oder Freizeitangebote. Für sie bildet der gesamte Tag eine Einheit. Was sie täglich erleben, wiederholt sich, schafft Orientierung und prägt ihre Entwicklung.

Diese Perspektive beschreibt den Kern eines rhythmisierten Ganztags. Nicht einzelne Angebote stehen im Mittelpunkt, sondern der gesamte Bildungstag aus Sicht der Kinder. Schule und Hort übernehmen gemeinsam Verantwortung für dessen Gestaltung.

Wie selbstverständlich dieser Gedanke an den Modellstandorten inzwischen gelebt wird, brachte die Hortleitung der DPFA Zwickau auf den Punkt:

„Schule und Hort kann man eigentlich nur zusammendenken und unsere Schüler erleben eigentlich gar keinen Unterschied.“

Zentrale Befunde für einen rhythmisierten Ganztag
Zentrale Befunde für einen rhythmisierten Ganztag

SECHS HANDLUNGSFELDER ALS ORIENTIERUNG FÜR DIE PRAXIS

Ein zentrales Ergebnis des Modellprojekts ist die Entwicklung von sechs Handlungsfeldern mit dazugehörigen Gelingensfaktoren. Sie bilden keinen Maßnahmenkatalog, sondern einen praxisnahen Orientierungsrahmen für Schulen und Horte, die ihren Ganztag weiterentwickeln möchten. Die Handlungsfelder sind eng miteinander verknüpft und verdeutlichen, dass Rhythmisierung nur als gemeinsamer Entwicklungsprozess gelingen kann.

Die sechs Handlungsfelder sind:

  • Kinder

  • Kindgerechte Zeitstrukturen

  • Geklärtes Bildungsverständnis

  • Multiprofessionelle Teamarbeit

  • Lern- und Entwicklungskonzept

  • Steuerung

Die Handlungsfelder werden durch konkrete Gelingensfaktoren untersetzt. Dazu zählen unter anderem die Arbeit in festen Tandems von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften, gemeinsame Dienstberatungen und pädagogische Tage, Steuergruppen und Leitungstandems, Trägergespräche, Kinderräte, Förderbänder, Ganztagsangebote sowie eine bewusste Gestaltung von Kernzeiten, Pausen, Mittagsband und gleitendem Unterrichtsbeginn.

Wie sehr sich die Zusammenarbeit im Projekt verändert hat, schilderte der Schulleiter des Modellstandorts Cunewalde:

„Es ist eine neue Form der Zusammenarbeit entstanden. […] Das Projekt hat gezeigt: Lehrer und Erzieher kommunizieren jetzt mehr miteinander.“

Das Zitat verdeutlicht, dass Rhythmisierung weit mehr ist als eine organisatorische Veränderung. Sie verändert die Zusammenarbeit der Professionen und schafft gemeinsame Verantwortung für den Bildungstag der Kinder.

 

WISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE FOLGEN IM HERBST

Manuel Schneider (ehs) hat der Veranstaltung genau den richtigen Rahmen gegeben
Manuel Schneider (ehs) hat der Veranstaltung genau den richtigen Rahmen gegeben

Mit der Abschlussveranstaltung endet die praktische Projektphase, wissenschaftlich ist das Modellprojekt jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen. Mit besonderer Spannung wird deshalb der Abschlussbericht erwartet, der im September 2026 erscheinen soll. Er wird die Erfahrungen der elf Modellstandorte systematisch auswerten und daraus Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung des rhythmisierten Ganztags in Sachsen ableiten.

Gerade weil die Modellstandorte unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen gearbeitet haben, verspricht die wissenschaftliche Evaluation wertvolle Erkenntnisse darüber, welche Faktoren unabhängig von lokalen Voraussetzungen zum Gelingen beitragen.

 

EIN WICHTIGER IMPULS FÜR DEN GANZTAG IN SACHSEN

Die vierjährige Projektlaufzeit hat gezeigt, dass ein rhythmisierter Ganztag nicht durch einzelne Maßnahmen entsteht, sondern durch eine veränderte Kultur der Zusammenarbeit. Wo Schule und Hort gemeinsam Verantwortung übernehmen, erleben Kinder ihren Bildungstag als Einheit.

Die Erfahrungen der elf Modellstandorte machen deutlich, dass gemeinsames pädagogisches Handeln, verlässliche Kooperation und kindgerechte Zeitstrukturen die Grundlage für einen gelingenden Ganztag bilden. Genau darin liegt die vielleicht wichtigste Erkenntnis der „Ganztagspiloten“ – und zugleich ein wegweisender Impuls für die Weiterentwicklung der Ganztagsangebote in Sachsen.

Ein Aspekt wurde während der Abschlussveranstaltung von den Beteiligten immer wieder hervorgehoben: Der Erfolg des Modellprojekts ist eng mit der kontinuierlichen Prozessbegleitung und Schulentwicklungsberatung verbunden. Die fachliche Unterstützung vor Ort, die Begleitung von Entwicklungsprozessen sowie die Möglichkeit zur gemeinsamen Reflexion erwiesen sich als wesentliche Erfolgsfaktoren. Daraus lässt sich eine wichtige Schlussfolgerung ableiten: Soll der Wissenstransfer auf weitere Schulen und Horte in Sachsen gelingen, müssen entsprechende Unterstützungs- und Beratungsstrukturen dauerhaft gestärkt und weiter ausgebaut werden. Schulentwicklung gelingt dort besonders nachhaltig, wo Veränderungsprozesse professionell begleitet werden.

 

LITERATUR

Evangelische Hochschule Dresden (ehs Dresden). (2026): Modellprojekt Ganztagspiloten. URL: https://ehs-dresden.de/ganztagspiloten (Zugegriffen am: 01.07.2026).

Sächsisches Staatsministerium für Kultus (SMK). (2026): Modellprojekt Ganztagspiloten. URL: https://www.schule.sachsen.de/modellprojekt-ganztagspiloten-8133.html (Zugegriffen am: 01.07.2026).

 

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