Individuell fördern an Schulen mit Ganztagsangeboten

Aktualisiert: Juni 28

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von Franziska Körnich


An Schulen mit Ganztagsangeboten sind meist mehr zeitliche Ressourcen vorhanden, um vielfältige, individuelle Förderangebote für Schüler*innen bereitzustellen. Neben denen, die vor allem das Aufholen von fachlichen Defiziten unterstützen, gibt es ergänzend Angebote, die die Entwicklung von Persönlichkeit und sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen begleiten und nachhaltig fördern.


WAS BRAUCHT ES, UM INDIVIDUELLE FÖRDERUNG UMZUSETZEN?

Voraussetzung für eine umfassende und zielführende Förderung ist eine gute Zusammenarbeit und Kooperation eines multiprofessionellen Teams (vgl. Maykus 2011, S. 134ff.). Dazu gehören sowohl Lehrkräfte als auch Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen, Schulbegleiter*innen sowie die Eltern bzw. Erziehungsberechtigte. Der Fokus ist dabei der Austausch über den Ist-Stand, die Kompetenzen und die zukünftige Weiterentwicklung des jeweiligen Kindes. Auf Basis dieses Wissens erstellen die Teams z.B. ein Förderkonzept mit verschiedenen fachlichen Orientierungen und methodischen Vorgehensweisen. Lehrkräfte haben häufig die fachlichen Defizite der Schüler*innen im Blick und nutzen unterrichtsbezogene Methoden zur Förderung. Andere pädagogische Fachkräfte bringen z.B. sozialpädagogische Sichtweisen ein und nutzen ganzheitliche, alltags- und beziehungsorientierte sowie kommunikative Strategien, um das Sozialverhalten zu entwickeln.

Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure hat den Vorteil, dass die Schüler*innen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden und im besten Falle eine Entlastung der Lehrkräfte gewährleistet wird.

Abb. 1: Höhmanns „Heterogenitätsmodell“, eigene Darstellung nach Böttcher et. al. 2014, S. 18.

Damit eine individuelle Förderung gelingt, sollte das multiprofessionelle Team anfangs eine Diagnostik durchführen. Diese hat als Ziel, Stärken und Schwierigkeiten in verschiedenen Bereichen des jeweiligen Kindes sichtbar zu machen. Ein weiterer Punkt, der bei der Umsetzung von individuellen Förderkonzepten berücksichtigt werden sollte, ist die Heterogenität aller Schüler*innen. Alle Kindern und Jugendlichen haben unterschiedliche Lebenssituationen und Lernvoraussetzungen. Aufgrund dessen müssen die Anforderungen und Aufgaben an den/die jeweiligen Schüler*in angepasst und in schriftlicher Form (bspw. im Förderplan) festgehalten werden. Dabei ist es wichtig, nicht nur unterrichtsbezogen zu fördern, sondern erzieherische Aspekte ebenfalls mit einzubeziehen. Manche Kinder und Jugendliche befinden sich in schwierigen Lebenssituationen, welche die Konzentrationsspanne und die Motivation beeinflussen und sich ggf. negativ auf die Schulleistungen auswirken (vgl. Böttcher et. al. 2014 , S. 18). Es gibt zahlreiche Möglichkeiten und Methoden, unter Berücksichtigung von Heterogenität zu fördern. Die Lehrkraft kann unterschiedliche Formen des offenen Unterrichts wählen, Partner- und Gruppenarbeiten nutzen sowie eine äußere und innere Differenzierung umsetzen (vgl. ebd., S. 39). Neben der Qualität und Quantität der Angebote müssen die räumlichen Ressourcen und die Verfügbarkeit von verschiedenen Materialien zur Umsetzung der Angebote berücksichtigt werden. Die personellen Ressourcen sind ebenfalls einzubeziehen, um festzulegen, welche Angebote in welchem Umfang die jeweilige Schule umsetzen kann.

WELCHE FÖRDERANGEBOTE GIBT ES?

Die Förderangebote richten sich häufig vor allem an Schüler*innen mit Leistungsdefiziten oder drohendem Schulversagen sowie an Schüler*innen mit psychosozialen und motorischen Problemen. Jedoch sollte es die Möglichkeit geben, dass alle anderen Schüler*innen Förderangebote nutzen können. An offenen und teilgebundenen Schulen mit Ganztagsangeboten ist die Teilnahme meist freiwillig. An gebundenen Ganztagsschulen hingegen werden diese in den Schulalltag integriert und sind verpflichtend. Förderangebote sollten im Schulprogramm festgehalten werden.

Abb. 2: Individuelle Fördermaßnahmen, eigene Darstellung nach Cwik/Metzger 2010, S. 21f.


Der Diagnosegeleitete Förderunterricht wird vor allem von Schulpsycholog*innen unterstützt und zeichnet sich durch eine schulpsychologische, testbasierte Diagnostik aus, auf deren Basis individuelle Förderpläne erstellt werden. Anschließend werden passende Materialien ausgesucht, die auch im Unterricht angewendet werden können. Bei der Förderung von Unterrichts- und Fachinhalten ist neben der Unterstützung in Mathe, die Leseförderung häufig ein Schwerpunkt. Circa 4-7% der Schüler*innen haben eine isolierte Leseschwäche. Bei einer Kombination mit einer Rechtschreibschwäche liegt der Prozentanteil sogar bei 2-9% (vgl. Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. 2018, S. 14). Zur Förderung des Lesens ist es wichtig, den Schüler*innen lebensnahe Texte zu geben, mit außerschulischen Partner*innen zu kooperieren und die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten mit einzubinden. Lesen üben und regelmäßiges Wiederholen sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Hilfreich bei der Leseförderung ist die Verfügbarkeit einer Schulbibliothek. Die Bereitstellung von verschiedenen Medien (neben Büchern auch Tablets und Computer) und die Durchführung von Buchvorstellungen durch die Schüler*innen, machen das Lesen attraktiver. Das gemeinsame Lesen und Vorlesen sollte sowohl im Unterricht durch feste Lesezeiten, als auch außerhalb des Unterrichts wie z.B. bei einer Lesenacht oder einem Vorlesewettbewerb, einen festen Platz haben. Zusätzlich kann das Führen eines Lesetagebuchs oder die Gestaltung einer Leseecke im Klassenzimmer helfen, die Wichtigkeit des Lesens zu betonen.

In Sozialtrainings bzw. sogenannten „Life-Skill-Programmen“ (vgl. Cwik/Metzger 2010, S. 21) werden Sozialkompetenzen an Schüler*innen mit Lern- und erzieherischen Problemen oder Schulversagen vermittelt. Die „Ich-Stärkung“ und das „eigenständige Erwachsen-Werden“ werden unterstützt. Es gibt Angebote zur Förderung der Selbstwahrnehmung, des Einfühlungsvermögens und zur Lösungsorientierung beim Umgang mit Problemsituationen. Ergänzend dazu besteht die Möglichkeit, an Stresspräventionskursen und Entspannungsverfahren teilzunehmen. Anzeichen von Stress bei Schüler*innen können sich durch Bauchschmerzen, Angstzustände, Lustlosigkeit oder Aggression zeigen. Durch Bewegungs- und Freizeitangebote, Ruhe- und Entspannungsphasen sowie durch Reflexionsgespräche ist es möglich, Stress abzubauen. Bei der Umsetzung dieses Angebotes werden häufig Schulpsycholog*innen und Fachkräfte mit entsprechenden Zusatzqualifikationen eingebunden (vgl. ebd., S. 22).

Ein weiterer Schwerpunkt der individuellen Förderung ist die Hausaufgabenbetreuung. Dabei wird Gelerntes wiederholt, reflektiert und es gibt die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Zusätzlich gibt es sowohl fachbezogene (Mathe, Deutsch etc.) als auch fächerübergreifende Angebote. Um eine individuelle Förderung umzusetzen, sollten die Hausaufgaben an die jeweiligen Schüler*in und deren individuelle Leistungen angepasst werden. Zudem sollte Zielklarheit zwischen den Personen bestehen, welche die Hausaufgaben geben und denen, welche sie beaufsichtigen, was das Ziel der Hausaufgabenbetreuung sein soll (Kontrolle auf Vollständigkeit / Sauberkeit / Richtigkeit oder anderes).

Die Förderung des Arbeits- und Lernverhaltens lässt sich in Schulen mit Ganztagsangeboten besonders gut realisieren, da die zu bearbeitenden Aufgaben über den Tag hinweg verteilt und gelöst werden können. Hausaufgaben für zu Hause fallen weg.


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