Dresden setzt Standards für den Ganztag
- Sylvia Mihan
- 20. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Von Sylvia Mihan
Der Fachtag "Ganztag in Dresden gemeinsam gestalten", veranstaltet durch das Amt für Kindertagesbetreuung, das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, fand am 30.03.26 im Dresdner Rathaus statt und bot rund 250 Praktiker*innen aus Schule, Hort und Schulsozialarbeit spannende Impulse und Einblicke in gelingende Ganztagspraxis. Der Impulsvortrag von Prof. Dr. Patricia Kröber konzentrierte sich auf die Perspektive der Kinder auf den Ganztag. Beim Praxismarkt stellten 13 Dresdner Tandems aus Schule und Hort gelingende Kooperationspraxis zur Umsetzung eines rhythmisierten Ganztags, zur Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams und zum institutionellen Kinderschutz vor, außerschulische Partner*innen ergänzten das Praxispotpourri. An der AnsprechBar standen Verantwortliche aus Schul- und Hortfachaufsicht, Schulsozialarbeit und der Servicestelle Ganztag Rede und Antwort. Gerahmt wurde der Fachtag vom Sprachakrobaten Bas Böttcher, der poetisch und mit Humor Impulse und Beobachtungen pointiert zusammenfasste.

Hauptanliegen der Veranstaltung war, die Inhalte des Positionspapiers "Dresdner Horte im Ganztag" mit Leben zu füllen. Das Positionspapier wurde im Auftrag des Dresdner Stadtrates als „Orientierungsrahmen für die kommunale Ausgestaltung des Ganztags in Dresden“ (Landeshauptstadt Dresden, 2026, S. 3) durch die Stadtverwaltung erarbeitet. Sowohl der Leiterin des Amtes für Kindertagesbetreuung, Sabine Bibas, als auch dem Präsidenten des Landesamtes für Schule und Bildung, Patrick Schreiber, war es wichtig, zur Verabschiedung des Positionspapieres mit persönlichen Worten die Bedeutung dieses gemeinsamen Orientierungs-rahmens hervorzuheben und die bereits gelebte Kooperationspraxis in Dresden zu würdigen.
Mit dem Positionspapier wird die Rolle des Hortes als eigenständige Bildungsinstitution gestärkt und in acht Positionen beschrieben, wie kooperativer und kindgerechter Ganztag verstanden wird. Damit bietet es Orientierung zur qualitätsvollen Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter.
„Es legt den Fokus auf den rhythmisierten Ganztag als Ergänzung und Erweiterung der pädagogischen Zusammenarbeit. Ziel ist es, Schule und Hort so miteinander zu verzahnen, dass ein am Kindeswohl orientierter Lebens- und Lernort entsteht, der durch eine veränderte Lehr- und Lernkultur die unterschiedlichen Lern- und Entwicklungsrhythmen der Kinder stärker berücksichtigt.“ (Landeshauptstadt Dresden, 2026, S. 4)
DIE POSITIONEN IM ÜBERBLICK

1. Der Dresdner Ganztag hat standortbezogene inklusive Konzepte
Wir wollen einen guten Ganztag für alle Kinder in Dresden. Das erfordert differenzierte Antworten für jeden Standort. Vielfältige Lebenswelten, unterschiedliche Sozialräume sowie individuelle Bedarfe und Ressourcen verlangen bedarfsgerechte und inklusive Konzepte. Die drei Laborräume im Dresdner Modell Ganztag zeigen, dass rhythmisierte und kooperative Strukturen den individuellen Charakter eines Standorts bewahren und gleichzeitig gemeinsame Qualitätsstandards sichern.
2. Der Dresdner Ganztag ist ein Arbeitsort für multiprofessionelle Teams
Wir wollen das intensive Zusammenwirken verschiedener Professionen auf allen Ebenen des Ganztags. Schule und Hort ergänzen sich mit ihren pädagogischen und didaktischen Kompetenzen und ermöglichen damit differenzierte Lernsettings zur Kompetenzentwicklung aller Kinder am Standort. Multiprofessionalität erweitert Perspektiven und schafft einen ganzheitlichen Blick auf das Kind. Geteilte Verantwortung und gegenseitige Unterstützung führen zu höherer Kompetenz und Entlastung der Fachkräfte in Schule und Hort. Kooperationsformate wie Tandemstunden, gemeinsame pädagogische Tage oder kollegiale Fallberatungen müssen strukturell verankert werden, um die Lernprozesse gemeinsam begleiten zu können.
3. Im Dresdner Ganztag leiten Schul- und Hortleitung kooperativ
Wir wollen eine starke und kooperative Schul- und Hortleitung zur Steuerung und Koordination der vielen Bildungspartnerinnen und Bildungspartner im Ganztag. Leitung verstehen wir als Initiator, Vermittler und Manager. Schul- und Hortleitung prägen gemeinsam die Qualität des Lern- und Lebensortes Schule und Hort. Kooperative Leitung ist zu institutionalisieren und systematisch durch gemeinsame Konzepte, Ziel- und Visionsplanung umzusetzen. Das fördert gegenseitiges Verständnis und Respekt für die Arbeit der jeweils anderen Seite. Dafür werden standortkonkrete Steuerungs- und Verantwortungsstrukturen ggf. mit weiteren Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern etabliert. Leitungskräfte benötigen dafür Zeit und Ressourcen, um Visionen für den Ganztag entwickeln und um setzen zu können.
4. Im Dresdner Ganztag arbeiten die Pädagoginnen und Pädagogen als Lernbegleitung
Wir wollen, dass sich alle Pädagoginnen und Pädagogen als Lernbegleitungen verstehen und den Kindern verlässlich zur Verfügung stehen. Damit übernehmen alle gemeinsam die Bildungs- und Erziehungsverantwortung für jedes einzelne Kind. Dies ist das gemeinsame Verständnis für einen kooperativ verantworteten Ganztag. Kinder bringen sich mit ihren Interessen und Lebensfragen ein und erhalten von den Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern aus Schule und Hort Bildungsimpulse. Schule setzt Impulse zur Kompetenzentwicklung im Rahmen des Lehrplans, der Hort greift diese auf und erweitert sie durch alltagsintegrierte Lernzugänge. Schule und Hort verantworten gemeinsam alle im Lehr- und Bildungsplan benannten Bildungsthemen. Lernbegleitung braucht vertrauensvolle und positive Beziehungen zu jedem einzelnen Kind. Der Ganztag schafft einen sozialen Raum und Ort für eine gelingende Beziehungsgestaltung. Individuelles Lernen erfordert Pädagoginnen und Pädagogen als Lernbegleitungen, die auf die individuellen Bedürfnisse und die Kompetenzentwicklung der Kinder eingehen und diese fördern.
5. Der Dresdner Ganztag ist rhythmisiert und am Kind orientiert gestaltet
Wir wollen einen Dresdner Ganztag, der Schule und Hort miteinander verbindet und kein bloßes Nebeneinander darstellt. Unterschiedliche Settings des formellen und informellen Lernens werden über den ganzen Tag hinweg verzahnt und rhythmisiert gestaltet: Anspannungs- und Entspannungsphasen, Konzentrations- sowie Bewegungs- und Spielphasen. Diese werden von Lernbegleiterinnen und Lernbegleitern aus Hort und Grundschule verantwortet und Kinder aktiv an der Planung und Durchführung der Tages- und Angebotsstruktur im Ganztag beteiligt. Der Hort will im Ganztag nicht nur begleiten, sondern aktiv mitgestalten. Mit seiner pädagogischen und sozialpädagogischen Expertise Ist der Hort bereit, noch stärker Verantwortung zu übernehmen - Insbesondere bei der Rhythmisierung des Schulalltags. Wir wollen einen Ganztag, in dem vielfältige Bildungssettings wie projektorientiertes Lernen, Bewegung, Kunst, Musik und soziale Aktivitäten integraler Bestandteil des Alltags sind. Dazu werden gezielt Ganztagsangebote für vertiefende und ergänzende Bildungsräume genutzt. Die Dresdner Laborräume Ganztag zeigen, wie gemeinsam verantwortete Lernsettings wie Förderbänder, Projektzeiten, Klassenrat oder gemeinsame Elterngespräche Lern- und Lebenswelten verbinden.
6. Der Dresdner Ganztag setzt die Rechte der Kinder um
Wir, die am Standort wirkenden Akteure setzen alle gemeinsam die Kinderrechte nach der UN-Kinderrechtskonvention um: das Recht auf Förderung, das Recht auf Schutz und das Recht auf Beteiligung und stehen als verlässliche und kompetente Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Sicherung der Kinderrechte zur Verfügung.
7. Der Dresdner Ganztag orientiert sich am Sozialraum
Wir nehmen Kinder in ihrer jeweiligen Lebenswelt wahr und beziehen diese sowie den Sozialraum in die Gestaltung von ergänzenden Bildungssettings ein. Sozialraumorientierung im Ganztag bedeutet, dass schulische und außerschulische Angebote an den Lebenswelten und dem Sozialraum der Kinder anknüpfen und diese aktiv mitgestalten. Der Fokus liegt auf der Stärkung der Kinder als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswelt und der Nutzung vorhandener Ressourcen im Umfeld. Schule und Hort beziehen zur Ergänzung ihres Bildungsangebotes gemeinsam weitere Akteure im Sozialraum und in der Stadt mit ein (z. B. kulturelle Bildungspartner, Sportvereine, Firmen und Kitas). Grundlage dafür bildet ein abgestimmtes Bildungskonzept mit ergänzenden Ganztagsangeboten.
8. Der Dresdner Ganztag verbindet kommunale Ressourcen
Wir nutzen alle relevanten kommunalen Netzwerke, Unterstützungsprogramme und regionalen Angebote zur Unterstützung des Ausgestaltungsprozesses für einen guten Ganztag für alle Kinder. Eine enge Abstimmung mit der Schulsozialarbeit, Kinder- und Jugendarbeit, Schulbegleitung sowie weiteren Akteuren des Sozialraums gewährleistet eine abgestimmte Förderung und Unterstützung, auch wenn diese Leistungen unterschiedlichen Förderlogiken folgen. Schule und Hort im Ganztag brauchen Zeit und personelle Ressourcen für eine multiprofessionelle Zusammenarbeit. Zeitfenster für Absprachen, Beratungen, Elterngespräche, Fortbildungen und Ähnliches müssen geplant und qualitativ
umgesetzt werden. Die in der Programmarbeit „Gemeinsam bildet" entwickelte und als Unterstützung wahrgenommene Fachberatungsstruktur (durch Schulreferentinnen und Schulreferenten, Hortfachberaterinnen und Hortfachberater sowie das Dresdner Beratungstandem aus Schul- und Hortleitung) wird für den weiteren Entwicklungsprozess genutzt.

LITERATURVERZEICHNIS
LHD - Landeshauptstadt Dresden (2026). Positionspapier „Dresdner Horte im Ganztag'' zur Gestaltung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung im Grundschulalter in der Landeshauptstadt Dresden. Hrsg.: Amt für Kindertagesbetreuung














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