Bildende Künstler:innen und ihre Bildungsangebote an sächsischen Schulen – Umfrage des Landesverbandes Bildende Kunst Sachsen im Sommer 2026
- Landesverband Bildende Kunst Sachsen
- vor 2 Tagen
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30 Künstler:innen geben Einblick in ihre Praxis an sächsischen Schulen
Bildkünstlerische Angebote
Die befragten Künstler:innen bieten ein breites Spektrum bildkünstlerischer Formate an. Den größten Anteil bilden Angebote aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Comic und Grafik, gefolgt von Plastik, Skulptur, Installation sowie angewandter Kunst. Darüber hinaus wurden unter anderem Fotografie, Graffiti und Performancekunst genannt. Die freien Antworten unter „Sonstiges“ verdeutlichen die Vielfalt der Angebote: Sie reichen von Theater und Tanz über Buchdruck bis hin zu Textilwerkstätten.
BILDUNGSAUFTRAG UND GESELLSCHAFTLICHE RELEVANZ
43 Prozent der Befragten verknüpfen ihre künstlerischen Angebote bewusst mit weiteren Bildungsbereichen, beispielsweise politischer Bildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung. Genannt wurden unter anderem die Themen Nachhaltigkeit, Demokratiebildung, Rechtsextremismus, Gleichberechtigung, reflektierte Mediennutzung sowie DDR-Geschichte. Darüber hinaus nannten die Teilnehmenden die Vermittlung von Werten und sozialer Kompetenzen, gelingender Kommunikation und die Stärkung des Selbstwertgefühls.
Die Antworten verdeutlichen, dass bildkünstlerische Angebote von den Befragten nicht allein als Vermittlung künstlerischer Techniken verstanden werden. Vielmehr werden sie gezielt genutzt, um gesellschaftliche Themen aufzugreifen und soziale Kompetenzen zu fördern.
EINSATZ AN SÄCHSISCHEN SCHULEN
Die Angebote finden an sämtlichen in Sachsen vertretenen Schulformen statt. Am häufigsten werden Grundschulen genannt, dicht gefolgt von Oberschulen und Gymnasien. Auch freie Schulen sind mehrfach vertreten; daneben wurden Förderschulen, Gemeinschaftsschulen und berufsbildende Schulen angegeben.
Die Verteilung entspricht weitgehend der Schulstruktur in Sachsen. Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen sollten daher alle Schulformen berücksichtigen.
ANGEBOTSFORMEN
Die meisten Angebote werden im Rahmen von Ganztagsangeboten (GTA) durchgeführt. Etwa halb so viele finden in anderen Formaten statt, insbesondere als Projekttage, Workshops, Förderangebote oder (wahlobligatorischer) Unterricht.
Ganztagsangebote bilden damit trotz rückläufiger Fördermittel weiterhin die wichtigste Form der Zusammenarbeit zwischen Künstler:innen und Schulen.
BEZUG ZU LEHRPLÄNEN
Nur zehn Prozent der Befragten gaben an, dass von den Schulen eine Anbindung ihrer Angebote an den Lehrplan erwartet wird. Dieses Ergebnis lässt unterschiedliche Interpretationen zu: Einerseits eröffnet es den Künstler:innen große inhaltliche Freiräume, andererseits kann ein stärkerer Bezug zu schulischen Lernzielen die Relevanz der Angebote im Schulalltag erhöhen.
ZEITLICHER UMFANG
Der überwiegende Teil der Angebote findet wöchentlich über ein gesamtes Schuljahr statt. Daneben werden einmalige Formate wie Projektwochen oder Projekttage angeboten.
Diese Angebote ermöglichen den Künstler:innen sowohl langfristige Kooperationen mit regelmäßigem Geldeingang als auch zeitlich begrenzte, intensive Arbeitsphasen mit Schüler:innen ohne eine Bindung über einen größeren Zeitraum.
GEOGRAFISCHE VERTEILUNG
Die Angebote werden in ganz Sachsen durchgeführt. Die Schwerpunkte liegen unter den befragten Künstler:innen in den Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz sowie in den Kulturräumen Leipziger Raum und Meißen–Sächsische Schweiz–Osterzgebirge.
Da viele Künstler:innen in den urbanen Zentren leben, könnten lange und häufig nicht vergütete Anfahrtswege ein wesentlicher Grund dafür sein, dass Angebote im ländlichen Raum seltener stattfinden.
VERGÜTUNG
Nahezu alle Befragten führen ihre Angebote freiberuflich durch; lediglich eine Person arbeitet im Angestelltenverhältnis.
21 Prozent der Befragten waren oder sind von einem Statusfeststellungsverfahren betroffen, das die Rechtmäßigkeit ihrer selbstständigen Tätigkeit überprüft (Stichwort Herrenberg-Urteil). Hier besteht ein erheblicher Bedarf an rechtlicher Klarheit und Planungssicherheit. Ziel sollte es sein, auch künftig eine rechtssichere freiberufliche Tätigkeit an Schulen zu ermöglichen.
Das durchschnittliche Honorar beträgt rund 37 Euro pro Zeitstunde (60 Minuten) beziehungsweise 33 Euro pro Schulstunde (45 Minuten). Einzelne deutlich höhere Honorare beziehen sich vermutlich auf mehrstündige Workshops und stellen Ausnahmen dar.
Vor- und Nachbereitungszeiten werden in 75 Prozent der Fälle nicht vergütet – das bedeutet für die tatsächlich geleistete Arbeit einen noch deutlich geringen Stundensatz als 37 Euro/Zeitstunde. Fahrtkosten werden lediglich in 13 Prozent der Fälle übernommen. Positiv ist, dass Materialkosten entweder von den Schulen getragen oder den Künstler:innen vollständig erstattet werden.
Trotz der vergleichsweise niedrigen Honorare finanzieren 37 Prozent der Befragten ihre Existenz durch diese Tätigkeit.
Die durchschnittlichen Honorare liegen deutlich unter den Honorarempfehlungen des Berufsverbandes Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), der ein Honorar von 70 Euro pro Zeitstunde empfiehlt und darüber hinaus eine gesonderte Vergütung von Vor- und Nachbereitungszeiten vorsieht. Die Ergebnisse der Umfrage verdeutlichen damit eine erhebliche Diskrepanz zwischen den empfohlenen und den tatsächlich gezahlten Honoraren.
ZUSAMMENARBEIT MIT SCHULEN
Die meisten Kooperationen entstehen über persönliche Kontakte oder durch eigene Akquise der Künstler:innen. Vermittlungen über Verbände oder andere Institutionen spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Die „Sächsische Datenbank Kooperationspartner“, über die Schulen und GTA-Anbietende zusammenfinden können, wird von knapp 90 Prozent der Befragten nicht genutzt; 72 Prozent war sie nicht bekannt.
Hier zeigt sich deutliches Potenzial, bestehende Vermittlungsstrukturen bekannter zu machen und weiterzuentwickeln.
MOTIVATION UND WIRKUNG
Das Interesse der Schüler:innen wird überwiegend als mittel bis hoch eingeschätzt. Nur sieben Prozent der Befragten berichten von geringem Interesse.
Knapp 59 Prozent erleben die Arbeit an Schulen als bereichernd, inspirierend und gewinnbringend für die eigene künstlerische Praxis. Neben dem finanziellen Aspekt stellt damit auch der Kontakt und Austausch mit Schüler:innen einen wichtigen Motivationsfaktor dar.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass unzureichende Honorare langfristig die Bereitschaft zur Durchführung entsprechender Angebote gefährden können.
WEITERBILDUNGSBEDARF
Bis auf eine Person äußerten alle Befragten Weiterbildungsbedarf.
An erster Stelle stehen pädagogische Kompetenzen, insbesondere der Umgang mit Gruppen und herausfordernden Situationen. Ebenfalls häufig genannt wurden rechtliche Themen wie Aufsichtspflicht, Haftung oder Datenschutz sowie der Wunsch nach fachlichem Austausch über Inhalte und Methoden.
Seltener wurden organisatorische Themen wie Vertragsgestaltung oder Kommunikation mit Schulen genannt. Darüber hinaus wünschen sich einzelne Befragte Fortbildungen zum Umgang mit Rechtsextremismus, zu Inklusion und gesundheitlichen Einschränkungen von Schüler:innen sowie zu Honorarverhandlungen.
Die Ergebnisse verdeutlichen einen erheblichen Weiterbildungsbedarf, dem bislang nur wenige Angebote gegenüberstehen. Ein bedarfsgerechtes und möglichst kostenfreies Fortbildungsangebot könnte sowohl die Qualität der Bildungsangebote als auch die Arbeitsbedingungen der Künstler:innen stärken.
HERAUSFORDERUNGEN
Die offenen Antworten zeigen ein vielschichtiges Bild der Herausforderungen.
Am häufigsten genannt werden unzureichende Honorare, sinkende Fördermittel sowie die daraus resultierende wirtschaftliche Unsicherheit. Hinzu kommen fehlende Absicherung im Krankheitsfall, Einkommensausfälle in den Ferien sowie die Unsicherheit über die Fortführung von Angeboten nach Ablauf eines Schuljahres.
Viele Befragte wünschen sich daher verbindliche Honorarstandards sowie eine langfristige Sicherung der Finanzierung von Ganztagsangeboten und vergleichbaren Förderprogrammen.
Daneben werden organisatorische Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit mit Schulen beschrieben. Genannt werden unter anderem unklare Zuständigkeiten, mangelnde Absprachen, fehlende geeignete Räume und Lagermöglichkeiten sowie eine begrenzte Materialausstattung. Gewünscht wird eine größere Flexibilität des Ortes, etwa Angebote auch in den Ateliers der Künstler:innen durchführen zu können.
Verbesserungsbedarf besteht außerdem bei der Information der Schüler:innen über die Angebote sowie bei der Verbindlichkeit der Teilnahme bzw. der Teilnehmerzahl. Einzelne Rückmeldungen beziehen sich zudem auf Herausforderungen im Umgang mit Aufmerksamkeit, Disziplin und Motivation der Teilnehmenden. Hier könnten gezielte Fortbildungsangebote sowohl für Künstler:innen als auch für Schulangestellte/Schulleitungen hilfreich sein.
Schließlich wünschen sich einige Befragte eine stärkere Vermittlung zwischen Schulen und Künstler:innen sowie eine größere Vernetzung.
POSITIONEN DES LANDESVERBANDS BILDENDE KUNST SACHSEN
Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass bildende Künstler:innen einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung an sächsischen Schulen leisten. Ihre Angebote finden an nahezu allen Schulformen und in ganz Sachsen statt und umfassen weit mehr als die Vermittlung künstlerischer Techniken. Sie greifen zugleich gesellschaftlich relevante Themen auf und fördern kreatives Denken, Reflexionsfähigkeit sowie wesentliche Kompetenzen für gesellschaftlich-demokratische Teilhabe. Damit stellen sie eine wertvolle Ergänzung schulischer Bildungsangebote dar.
Diese gesellschaftlich wertvolle Arbeit steht jedoch in einem deutlichen Missverhältnis zu ihren Rahmenbedingungen. Die erhobenen Honorare liegen weit unter den Empfehlungen des Berufsverbandes Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler. Vor- und Nachbereitungszeiten sowie Fahrtkosten werden häufig nicht vergütet, gleichzeitig bestehen erhebliche rechtliche Unsicherheiten für freiberuflich tätige Künstler:innen. Die Umfrage zeigt zudem, dass die wirtschaftliche Situation vieler Anbieter:innen die Bereitschaft, Angebote an Schulen durchzuführen, zunehmend gefährdet.
Der Landesverband Bildende Kunst Sachsen sieht daher dringenden Handlungsbedarf. Um die Qualität und den Fortbestand bildkünstlerischer Bildungsangebote an sächsischen Schulen langfristig zu sichern, sind aus unserer Sicht folgende Maßnahmen erforderlich:
Angemessene und verbindliche Honorare
Die Vergütung künstlerischer Bildungsarbeit sollte sich an den Honorarempfehlungen des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler orientieren. Vor- und Nachbereitungszeiten sowie Fahrtkosten bei längeren Anfahrtswegen müssen grundsätzlich Bestandteil der Vergütung sein.
Rechtssicherheit für freiberufliche Künstler:innen
Künstler:innen benötigen verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, die eine selbstständige Tätigkeit an Schulen dauerhaft ermöglichen und Planungssicherheit schaffen.
Langfristige Sicherung der Finanzierung
Ganztagsangebote und andere Förderprogramme müssen dauerhaft und ausreichend finanziert werden, damit Schulen und Künstler:innen langfristig planen können.
Verbesserung der Vermittlungsstrukturen
Der Kontakt zwischen Schulen und Künstler:innen sollte durch besser sichtbare Vermittlungsplattformen, regionale Netzwerke und zentrale Ansprechpartner erleichtert werden.
Ausbau von Fort- und Weiterbildungsangeboten
Die Umfrage zeigt einen Bedarf an Fortbildungen in den Bereichen Pädagogik, Recht und Methodik. Ein flächendeckendes, möglichst kostenfreies Weiterbildungsangebot würde sowohl die Qualität der Angebote als auch die Handlungssicherheit sowohl der Künstler:innen als auch der Schulen stärken.
Kulturelle Bildung ist kein Zusatzangebot, sondern ein wesentlicher Bestandteil ganzheitlicher Bildung. Wenn künstlerische Bildungsangebote auch künftig ein fester Bestandteil des Schulalltags in Sachsen bleiben sollen, müssen die Arbeitsbedingungen der Künstler:innen ihrer gesellschaftlichen Bedeutung entsprechen.
Investitionen in kulturelle Bildung sind Investitionen in die Zukunft unseres Landes!
Kontakt:
Landesverband Bildende Kunst Sachsen
Riesaer Str. 32
01127 Dresden
0351-563574-2













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